das andere Wort

ein Wort gibt das andere –
und das andere Wort
ist der Stoff, aus dem
Gedichte steigen

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der Liebenden Sinne

der Liebenden Nase
riecht Wasser schon dort,
wo noch Wüste ist

der Liebenden Zunge
schmeckt Honig noch dort,
wo schon Galle fließt

der Liebenden Ohr
hört Hymnen auch dort,
wo Stille herrscht

der Liebenden Auge
sieht den Morgen schon dort,
wo noch Nacht ist

der Liebenden Haut
spürt die Sonne noch dort,
wo schon Schnee fällt

der Liebenden Sinne
nehmen, immer und überall,
nichts als die Liebe wahr

ins Grüne

ins Grüne hüpfen
ins Grüne schlüpfen
meine Augen schlürfen
tausend und ein Grün
ergrünt zu einem Grün
dem ein und allem Grün
dem Maienauenwaldgrün
nur Grün und Grün und Grün
so weit mir das Auge grünt
ins Grüne so weit

 

Kleiner Nachtrag:
Foto-Impressionen von meinem Ausflug ins Grüne
(Naturschutzgebiet Kühkopf-Knoblochsaue)

schau mir in die Augen

schau mir in die Augen, Liebster
und lass dich fallen
mein Zwerchfell fängt dich auf
solltest du mein Herz verfehlen
ach, nun schütteln wir uns vor Lachen
und du rutschst mir bis in die Zehenspitzen
doch sorg Dich nicht, denn meine Venen
werden dich wieder nach oben pumpen
aber vergiss nicht, im Herzen auszusteigen
sonst steigst du mir noch in den Kopf
dort gibt es keinen Ausweg mehr, denn
zu den Ohren kommst du mir nicht heraus
musst nun für immer in mir bleiben
es sei denn, ich spreche Dich
aus

Schlüssel und Schloss

bist Du mein Schloss
bin ich Dein Schlüssel

bist Du verschlossen
bin ich entschlossen
Dich zu erschließen

bist Du verschlüsselt
werd ich beschließen
Dich zu entschlüsseln

schließt Du Dich ein
schließ ich Dich auf
schließt Du Dich ab
schließ ich Dich an
schließ uns zusammen

was schließen wir daraus?

in den Augen meines Geliebten

in den Augen meines Geliebten
sehe ich meinen unsicheren Gang
aufrecht und stolz
gehen wir nun
in die Welt

in den Ohren meines Geliebten
höre ich meine zitternde Stimme
laut und klar
singen wir nun
in die Welt

im Herzen meines Geliebten
spüre ich mein verängstigtes Herz
in neuem Lebensmut
lieben wir uns
und vergessen die Welt

Von den Blumen in meinem Garten

für Anke zum Dank für die schöne Idee, dass es vielleicht Menschen gibt, für die Nelke ein Dichter und Mörike eine Blume ist

Was hab ich so feine Blumen
in meinem kleinen Garten:
Die Mörike blüht blau,
wenn lau der Frühling naht.
Die Günderode windet sich
und findet sich stets nah am Wasser.
Das Brentano wuchert überall,
mit einem Knall erwacht der Tieck.
Die Arnim halten sich zurück
im Blüheglück, sie warten, bis
die Schlegel knospen zart.
Bald ist’s vorbei: Der Sommer macht
in voller Pracht, dass nur noch Heine
aus allen Ritzen lacht.