was Du mir

für Claudia, die Wolframs ‚Parzival‘ so liebte wie ich

was Du mir warst, was
Du mir bist und was Du
mir für immer sein wirst:

eine Freundin,
die wie der Gral
nur schwer zu finden ist

die Freundin,
die wie der Gral
im Überfluss schenkt

meine Freundin,
die mir jeden Gral
übertrifft

Dein leises Summen

für Claudia

noch immer habe ich Dein leises Summen
im Ohr, das Du stets dann auf den Lippen
hattest, wenn es Dir rundum gut ging –

ach, wie gerne hätte ich Dich noch viel, viel
öfter leise summen hören mögen!

doch wenn ich jetzt die Ohren spitze:
ist nicht die Zeit gekommen, in der ich Dich
nun immer leise summen hören kann?
ja, und wenn ich nur tief genug
Dir lausche, dann wirst Du wieder
Deine satte tiefe Stimme erheben
und für uns singen

Abschied

für Claudia

ich wünsche Dir
von Herzen alles Gute
für diesen Weg, den Du
nun gehen musst

ich wünsche Dir
den sanften Weg:
ein Schlafen, ein
Hinübergleiten, still
und ohne Schmerz

ich wünsche Dir
den leichten Weg
(nach dem schweren,
den Du hattest): einfach
sollst Du gehen können
und unbeschwert

ich wünsche Dir
den hellen Weg:
in Frieden und in Zuversicht
mit einem Lächeln
in Aug und Herz –
auf dass es Dir gut ergehe
dort, wohin Du gehst

(14.7.2021)

ein Artikel zum Gendern

der Mensch,
das Tier,
die Sache:
da weiß frau gleich,
was Sache ist

das Mensch,
das ist die Frau,
das böse Mädchen:
da beißt die Maus (oder der Mäuserich?)
keinen Faden (keine Fädin?) ab

und für divers fehlt
der/die/das Artikel:
der/die/das Sprache
ist doch gar verqueer!

wie einfach ist es doch,
wennd‘ alemannisch schwätze dusch:
d’Mensch, d’Mann,
d’Frau, d’Sach‘ –
nur sell s‘ müsst gehn:
s’Mädle wird d’Mädchen
und s’Tier wird d’Tier –
das geht dann auch queer!

Impression mit Kompression

eigentlich fehlen mir Zeit und Muße, um mich an #juniverse von https://www.silbenton.de/ regelmäßig zu beteiligen, aber die „Sandaletten“ vom 12.6. haben mich zu diesem ironisch-selbstmitleidigen Liedchen inspiriert – allen, denen es ähnlich geht, zum Trost

der sechste Sommer ist es nun,
den ich in Strumpf verbringen muss,
und keinen Sommer wird es je mehr geben,
in dem barfuß gehen kann so mit Genuss

und jeden Sommer hab ich nun die Impression,
dass alle andern ihre Füße in Sandalen stecken,
nur ich allein trag Kompression –
das kann schon Neidgefühle wecken,
wenn nicht sogar noch Depression
sich setzt in alle meine Ecken

der sechste Sommer ist es nun,
in dem ich Tag für Tag die Strümpfe trag,
auch wenn das Thermometer steigt
und ich selbst im Winter Strümpfe gar nicht mag

und jeden Sommer hab ich nun die Impression,
dass ich es eines Tages wagen werd:
da pfeif ich dann auf alle Kompression
und gehe wieder barfuß durch den Sommer –

den letzten Sommer wär’s mir wert!

dieses Gefühl der Geborgenheit

es ist das Privileg der Liebenden,
die zufällig hier geboren sind:
ich genieße es Tag für Tag,
mich geborgen zu fühlen
in Deiner Nähe

es ist der Fluch der Liebenden,
die hier im Exil leben müssen:
ich werde Dir nie – das weiß ich –
so nah sein können, dass Du
Dich geborgen fühlen wirst
in meiner Nähe

wie verwegen doch dieses Gefühl
der Geborgenheit ist, das mir die Nähe
des Ungeborgenen zu schenken vermag –
und wie vermessen letztlich mein Wunsch:
zu hoffen, ich könnte Dir etwas davon zurückgeben