#frapalymo 2-nov-16: unheimlich

Der zweite Impuls „unheimlich“ ist der Auftakt zu einem Doppelimpuls, der mit „heimlich“ fortgesetzt wird: Dieses Wort setzt natürlich vielfältige Assoziationen frei, ich bin am Wort geblieben: un-heim-lich.

unheimlich
ist mir dort, wo
in aller Unheimlichkeit
Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten,
ein Heim verweigert wird,
dort, wo sie
in aller Heimlichkeit
in die Unheimischheit verbannt oder
dorthin abgeschoben werden, was
man wohl Unheimat zu nennen hat,
dort ist mir
unheimlich

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6 Kommentare zu “#frapalymo 2-nov-16: unheimlich

  1. Wenn die Menschlichkeit zur Unmenschlichkeit wird, haben wir vergessen, wie man mitfühlt.
    Auf der Suche nach einer Zukunft finden die Menschen hier lediglich eine Unzukunft.
    Passende Worte, die mal gesagt werden mussten.
    Das Gedankenarchiv ist voll mit ihnen…

    Grüße vom Gedankenarchivar

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  2. Inhaltlich Zustimmung auf der ganzen Linie.
    Sprachlich ist es mir noch zu sperrig, der Fluch des Speeddichtens beim Frapalymo!

    Eduard Engel empfiehlt in seinem (uralten, von 1932!) Buch „Deutsche Stilkunst“, auf Wörter mit -heit, – keit, -ung zu verzichten. Das geht zwar nicht immer, aber ich empfinde es als sehr bereichernd, mir diese Alarmglocke für die Bearbeitung meiner Texte angeeignet zu haben.

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    • Ich denke, man darf sich (auch wenn die Regel für Gedichte durchaus zutreffen mag) darüber auch hinwegsetzen – wo es notwendig ist. Hier erscheinen mir gerade diese Abstrakta unverzichtbar (und bisweilen findet man ganz andere Wort-Ungetüme in der zeitgenössischen Lyrik 🙂 ).

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  3. Ich hatte vor vielen Jahren im Winter eine Autopanne auf der Autobahn A4 bei Jena, mitten in der Nacht. Völlig durchnässt vom Versuch, das Auto wieder in Gang zu bringen und völlig ausgepumpt rief ich schließlich Hilfe. Das erste, was ich sagte, als ich mit dem Abschleppwagen zusammen mit meinem Auto in der warmen Werkstatt ankam und einen heißen Kaffee angeboten bekam war:
    Das wichtigste im Leben ist, dass jemand da ist, der dir hilft, wenn du dich verloren fühlst und es nicht mehr weiter geht.
    Ich sehe oft Dokumentationen wo es um die Vertreibung nach dem Krieg geht. Wenn ich die Menschen sehe, die mit selbstgebauten Holz-Handwagen zu Scharen umherzogen, heimatlos, besitzlos, dann wünsche ich ihnen immer posthum, dass sie jemanden hatten, der ihnen half. Denn die meisten von ihnen leben wohl nicht mehr. Aber wir, heute, können helfen, denn das Elend der Vertreibung und Flucht ist leider nicht ausgestorben.
    Und Du hast den Mut, über jene, die das anders sehen ein Gedicht zu schreiben. Meinen Respekt

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