Wer erklärt mir den Krieg?

eingedenk der Ostermärsche 2017

Wer erklärt mir den Krieg?
Kriegt da jemand
vom Kriegen nicht genug –
und was kriegt der Krieger?

Wer führt Krieg – und wohin?
Und wie sieht jemand aus, den
man mit Krieg überzieht?

Kann man Truppen auch
per Mail entsenden?
Und was bleibt von ihnen übrig,
wenn man sie zusammenzieht?

Bei welcher Lotterie kann ich
einen Krieg gewinnen?
Und wo kann ich ihn wiederfinden,
wenn ich ihn verloren habe?

Was ist eine gelungene
Operation – und wer ist der Arzt,
wer der Patient?

Was genau entscheidet eine Schlacht?
Und wer muss bluten
in den vielen blutigen Schlachten?

Wohin flieht
ein ausgebrochener Krieg?
Und wer nimmt dann
den Kampf auf?

Stehen Gefallene wieder auf und
stehen dann die Waffen still?
Und wer eröffnet dann das Feuer?

Ist beim Friedensschluss
der Friede am Ende?
Wer herrscht, wenn
Friede herrscht?
Und wo kann ich
Frieden stiften?

Wer erklärt mir den Krieg?

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9 Kommentare zu “Wer erklärt mir den Krieg?

    • Ja, es ist ein Thema, das einem immer wieder sprachlos zurücklässt (und über das man lieber nicht nachdenkt). Über die unsägliche Sprache des Krieges habe ich jetzt für mich immerhin ein Stück Sprache gegen die Sprachlosigkeit, in die mich das Kriegswesen Mensch immer wieder zu stürzen vermag, wiedergewonnen. Damit ist sicher auch noch nichts erklärt… aber die dem Thema inhärenten Paradoxien treten etwas deutlicher hervor. Vom Weltfrieden sind wir leider Lichtjahre entfernt… Dennoch: Friedliche Ostertage auch Dir!

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  1. Bemerkenswert, dein Text. Und erschreckend, wie ergiebig unsere Sprache auf dem Feld der Redewendungen ist.
    Gerade fällt mir ein, dass das häufige Verb „kriegen“ für „etwas bekommen“ auch hier angesiedelt ist; ist es sprachgeschichtlich so, dass man etwas „erkriegt“, erstreitet, erkämpft?
    Was führen wir doch für ein Leben auf friedlosem Boden!
    (Und dann will die automatische Korrektur meines Smartphones auch noch „Friedhofs Boden“ daraus machen.)

    Gefällt 1 Person

    • Ja, genau: unser heutiges „kriegen“ dürfte aus einem „erkriegen“ gekürzt sein und ist abgeleitet von „Krieg“, das wiederum einen Bedeutungswandel von ‚Hartnäckigkeit‘ über ‚Anstrengung‘ zu ‚Streit‘ vollzogen hat, so sagen es zumindest die einschlägigen etymologischen Wörterbücher von Kluge wie von Pfeiffer.

      Gefällt 1 Person

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