Rassismus. Kein Gedicht

Ich gebe zu, es ist durchaus
ein verlockendes Narrativ:
Rassismus als Geisteskrankheit
zu begreifen.

Spinne weiter: Gehörten dann nicht
diese eine Partei und alle, die sie
wählen und unterstützen, in die
Psychiatrie? Oder zumindest doch
– im Dienste nationaler Sicherheit –
in Quarantäne?

Doch bedenke auch: Ließen wir uns
auf diese Diagnose ein, bedienten
wir uns der Rhetorik und der Metaphorik
derer, die genau dies wollen: Rassismus
als Krankheit einzelner Verwirrter
verharmlosen.

Nein, Rassismus ist keine Krankheit!
Rassismus ist Rassismus.
Kein Symptom.
Keine Diagnose.
Und erst recht kein Gedicht.

3 Kommentare zu “Rassismus. Kein Gedicht

  1. Darum geht es hier meiner Meinung nach gar nicht, sondern um die Frage, ob dieser besondere Mensch, dieser Mann namens XY, der zum Massenmörder wurde, geisteskrank oder voll zurechnungsfähig war. Ich meine, ersteres liegt klar auf der Hand. Dass seine Wahnideen sich mit rassistischen Vorstellungen anfüllten, die leider im Übermaß zirkulieren, ist ebenso offensichtlich, aber nicht zwangsläufig.

    Das Problem ist für mich, wie ein Mensch überhaupt dazu kommt, andere Menschen umbringen zu wollen. Der eine ermordet ihm unbekannte Prostituierte, der andere vergewaltigt und ermordet Kinder, wieder andere zelebrieren Teufelsrituale mit Kinderopfern (eine seiner Zwangsvorstellungen, scheint es), andere wiederum verdienen sich ihr Geld, indem sie Bürgerkriege anheizen, sich als Söldner über alle Gesetze der Mitmenschlichkeit hinwegzusetzen… Es ist so viel Kälte und Mordlust in der Welt, da kann sich ein krankes Hirn leicht bedienen.

    Gefällt 2 Personen

  2. Ich hatte heute einen ähnlichen Gedankengang. Die Ideologie, derer sich der Täter bedient hat, ist nicht auf seinem Mist gewachsen. Egal, wie es um seine psychische Gesundheit bestellt war. Deswegen ist beides klar zu trennen. Toll geschrieben. Wie schön wäre es, wenn es solche Texte nicht bräuchte.

    Gefällt 2 Personen

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