nur geliehen

nur geliehen
hab ich alle meine Wörter:
kein einziges Wort
mein eigenes Wort –
ach! könnt ich eines nur
entwenden! eins nur
von Grund auf neu
erfinden! was aber
hilft’s, wenn ich mit mir
Wörter stehlen kann?
Niemandswörter sind sie doch –
und wie ich’s auch dreh und wende:
am Ende
bleibt mir nichts als dass ich
alle meine Wörter sende
wohin auch immer
zurück

8 Kommentare zu “nur geliehen

  1. wunderschön hast du das geschrieben. Worte so schön zusammenzusetzen ist auch eine Kunst.
    Und damit aussagen, was so noch keiner zuvor ausgesagt hat.
    Ich habe mal ein hebräisches Verb erfunden (Hosen anziehen), welches auch ganz verständlich ist. Ich habe es ausprobiert und in einem Gespräch verwendet. Die Antwort war lustig: Das Wort, das du eben benutzt hast, ist nicht so geläufig im täglichen Gebrauch. Nimm lieber ein anderes. 🙂
    Das bedeutete immerhin, dass mein Zuhörer davon ausging, dass dieses Wort existiert…

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  2. Grundsätzlich finde ich den Gedanken, dass Wörter allen gehören, nicht so beklagenswürdig. Leben wir in der Sprache doch in dem beinahe einzigen Gebiet gelungenen Gemeineigentums – ich sehe hier mal von den vereinzelten Versuchen ab, sich Begriffe patentieren zu lassen.
    Alle benutzen und erweitern die Sprache und geben ihre Neuerungen gleich in den Vorrat zurück, damit andere sie verwenden können. Welcher Reichtum! Dagegen ist der Wunsch, ein einziges nur selbst zu besitzen, sehr bescheiden.
    Und die Überlegung, wo ein Neologismus beginnt, wirklich neo zu sein, reizt auch zu weitergehenden Gedanken.
    Deine Klagelied wirkt anregend, wie du siehst, ganz wie gute Literatur es sollte … 👏

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  3. Man kann sich andere Namen geben und hier und da auch neue Wörter (er-)finden, aber auch sie sind zusammengesetzt aus den bestehenden Wörtern. So stimme ich dir zu, wir können nur in den Wortschatz greifen und mit ihnen Bilder schreiben. Du kannst das gut.
    Liebe Grüße
    Ulli

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