Schneeverse

in Schnee schrieb ich
meine alten Lieder, schrieb sie
ins Reine – Vers für Vers: horch,
wie harsch sie knirschen
unter meinem Schritt

aus Schnee schreib ich
meine neuen Verse, schreib sie
ins Weiße – Flocke um Flocke: sieh,
wie forsch sie stieben
über meinem Kopf

von Schnee schrieb ich
meine alten Lieder, von Schnee
schreib ich meine neuen Verse: fühl,
wie sie schon beginnen zu schmelzen
in der noch verhaltenen Wärme
der Wintersonne

2 Kommentare zu “Schneeverse

  1. Hach, wie so schön du singst von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, lieber Lyrifant, und wie traurig ist die Vergänglichkeit des Schreibens. Dabei schreiben doch die meisten LiteratInnen, um zu überdauern … aber nach deiner Poetik trifft das auf dich nicht zu. Der Schnee ist trotzdem eine zu geniale Metapher für die Zwecke der Poetik, als dass man die Finger davon lassen könnte.

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