memento mori

spring, o Mensch,
deinen Ängsten von der Schippe
und leb
dem Tod ins Auge
und stirb
aus vollem Leben

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Warteschleifen. Zweite Fassung

Die erste Fassung erschien Euch – zu Recht – etwas „spröde“ und „steif“. Deshalb hier noch eine zweite Fassung.

gewartet schon viel zu oft
erwartet sehr viel mehr
aufgewartet doch gern
abgewartet stets

ein Leben lang dein Leben

verwartet
zerwartet
gewartet
worauf?

Warteschleifen

hast in deinem Leben schon recht viel gewartet
hast von deinem Leben doch mehr erwartet
hast stets den rechten Moment abgewartet
hast dein Leben ganz und gar verwartet
dein Leben lang gewartet
und vergessen
worauf

(14.3.2018)

im Kreis

ich drehe mich
im Kreis im Kreis
ich drehe mich
mit mir
um mich
im Kreis
ich kreise
mit mir
um mich
im Kreis
ich kreise kreise
aus mir in mich
ich kreise mich ein
ziehe meine
Kreise
im Kreis
im Kreis

bis ich ganz
außer mir

(12.3.2018)

mehr als mein Schmerz

wenn diese selbsternannten Therapeuten
dir wieder einmal sagen: Mensch, bedenke,
du bist mehr als dein
Schmerz

dann nickst du lächelnd, denn du weißt:
ja, ich bin auch das Wort, um meinen
Schmerz zu fassen, ich bin auch mein
Schmerzwort

doch wenn das Wort nicht so recht passen
mag, dann hast du zu all deinem Schmerz
auch noch diesen furchtbar quälenden
Wortschmerz

der dir vollends bewusst macht: ja,
ich bin mehr als mein
Schmerz

Erinnerungen

Erinnerungen flattern auf wie Vögel,
die, wenn du näher kommst, auf
und davon stieben, doch sobald
du stehen bleibst, sich wieder auf
den Ästen nieder kauern. Sie nisten
für bestimmte Zeit, bis sie sich auf
den letzten Zug gen Süden machen.

Kleine Relativitätstheorie des Alterns

Sarkastisches Liedlein auf den körperlichen Verfall

Das Haar dünner,
dafür dicker der Bauch.

Die Füße platter,
dafür runder die Hüften.

Der Rücken krummer,
dafür gerader die Gelenke.

Die Blase schwächer,
dafür stärker die Adern.

Die Lippen schmäler,
dafür breiter das Gesäß.

Die Muskeln härter,
dafür weicher das Bindegewebe.

Die Haut rauer,
dafür glatter der Hinterkopf.

Die Falten mehr,
dafür weniger Zähne.

Der Geist leerer,
dafür voller der Darm.

Die Brust enger,
dafür weiter die Kleider.

Der Atem schwerer,
dafür leichter die Kost.

Die Augen müder,
dafür wacher der Schmerz.

Die Lust kleiner,
dafür größer das Leid.