verschollen

manchmal
stell ich mir vor
wie es wohl wäre:
verschollen
zu sein

oder – schöner noch –
wie wohl es wäre:
zu verschellen

oder – am schönsten –
wie es wohl wäre:
Ton um Ton zu
verschallen

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ein Palimpsest

tiefe Rillen
ritzt das Leben
in die Rinde meiner Haut:

ganz aufgerauht ist sie
vom vielen Bims
über alten Zeichen,

immer wieder neu
beschrieben, dabei zerrieben fast
zwischen meinen Jahresringen:

ein Palimpsest,

in dem ich lese
und dennoch keines der geheimen Zeichen
zu entziffern vermag

Warteschleifen

hast in deinem Leben schon recht viel gewartet
hast von deinem Leben doch mehr erwartet
hast stets den rechten Moment abgewartet
hast dein Leben ganz und gar verwartet
dein Leben lang gewartet
und vergessen
worauf

(14.3.2018)

im Kreis

ich drehe mich
im Kreis im Kreis
ich drehe mich
mit mir
um mich
im Kreis
ich kreise
mit mir
um mich
im Kreis
ich kreise kreise
aus mir in mich
ich kreise mich ein
ziehe meine
Kreise
im Kreis
im Kreis

bis ich ganz
außer mir

(12.3.2018)

mehr als mein Schmerz

wenn diese selbsternannten Therapeuten
dir wieder einmal sagen: Mensch, bedenke,
du bist mehr als dein
Schmerz

dann nickst du lächelnd, denn du weißt:
ja, ich bin auch das Wort, um meinen
Schmerz zu fassen, ich bin auch mein
Schmerzwort

doch wenn das Wort nicht so recht passen
mag, dann hast du zu all deinem Schmerz
auch noch diesen furchtbar quälenden
Wortschmerz

der dir vollends bewusst macht: ja,
ich bin mehr als mein
Schmerz