Ein Liebeslied

Ich sitze hier und schreibe
für Dich ein Liebeslied.
Du sitzt ein Zimmer weiter
und liest, was ich jüngst schrieb.
Ich sitze hier und bleibe
für mich so ganz allein.
Wär es nicht viel gescheiter,
ich ließ das Schreiben sein
und ginge zu Dir rüber
und stürzte mich kopfüber
in unsere Lieb‘ hinein?

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Meine Wunden trag ich offen

Meine Wunden
trag ich offen,
eure Finger
fürcht ich nun nicht mehr.

Die alten Ängste
hab ich abgelegt,
nie mehr werd ich
mir eure Augen überziehen.

Ein leichtes Fieber
streif ich mir über,
bevor ich zu euch geh.
Wohl fühl ich mich
in meiner neuen dünnen Haut.

Abenddämmerung am Meer

So, und nun doch noch eine echte dichterische Aneignung (nach dem Experiment Übersetzung). Und da mich das Meer kürzlich inspiriert hatte, mich auf Haiku und Tanka einzulassen, eben nun in entsprechender Form, wobei ich mir die Freiheit genommen habe, die Form zu überschreiten – aber ich fand, dass es genau so Sinn macht.

Abenddämmerung
am Meer: Dunkelndes Blau – nah
Ewigkeit allein.

Zwischen Sonnenuntergang
und Abendstern: Weite nur –

und Du!

Mittelmeer

So trunken vor Glück
bin ich hier

am Meer, im Meer

sind sie dort
ertrunken, die Unglücklichen.

Ein Gedanke, den ich einfach nicht wegwischen kann – und wohl auch nicht wegwischen sollte: Ein Gedanke „gegen das Vergessen“.

und staune!

schau
ins Blau
von Himmel und Meer
schau – und staune:
wie schön ist die Welt!

lausch
dem Plausch
von Wellen und Wind
schau, lausch – und staune:
wie leicht ist die Welt!

tauch
ein in den Bauch
von Leben und Glück
tauch ein – und saug auf
das Leben, das Glück:
schau, lausch – und staune!