#frapalywo 2/17: geräusche – tag 7: in der nacht

Der siebte und letzte Impulsin der nacht – gestaltete sich für mich schwerer, als ich gedacht hatte. Nach einem ersten

Hell
lacht
die Nacht.

mit dem ich aber nicht richtig weiterkam, stand da plötzlich die Idee, einen zum Meer-Elfchen komplementären Text zu basteln.

nacht

leise
schneit nacht
die tagesgeräusche ein
doch jedes plötzliche geräusch
laut

 

Liebe Sophie, liebe frapalywo-ist*innen, danke für diese wunderbare Woche voller spannender Hör-Impulse, aber auch voller toller Ideen, wie sich die vielfältigen Hör-Eindrücke in Worten ausdrücken lassen. Das war für mich eine Erfahrung, die ich so schnell nicht vergessen werde.

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#frapalywo 2/17: geräusche – tag 6: am lagerfeuer

Der sechste Impulsam lagerfeuer – hat mich zu diesem Textchen inspiriert:

Lagerfeuer

Die Flammen lecken sich züngelnd die Lippen.
Es gurgelt, es schmurgelt. Knisternde Hitze.
Im schmatzenden Feuer brutzelt mein Herz.
Die Liebe höre ich singen ihr sengendes Lied.
Ich glühe, sie lodert. Das Lager, es brennt.

#frapalywo 2/17: geräusche – tag 5: am meer

Der fünfte Impuls lautet: am meer. Unter dem Aspekt geräusche fasziniert mich vor allem der Gegensatz zwischen der steten Unruhe des Meeres, das immer in geräuschvoller Bewegung ist, und der Ruhe, die wir damit assoziieren, die Meeresstille, die eher ein Meeresradau ist, und doch eine so beruhigende Wirkung hat: ein himmlischer Höllenlärm, sozusagen. Hier mein „vorläufiges amtliches Endergebnis“ zu dem Thema (ganz zufrieden bin ich mit meinem Elfchen noch nicht, aber ich muss jetzt arbeiten 😦 ):

am meer

laut
die stille
dort am meer
mein herz aber wird
leise

#frapalywo 2/17: geräusche – tag 4: im alleinsein

Der vierte Impuls hat es in sich: Geräusche, die wir im alleinsein machen… Will ich das überhaupt preisgeben? – Doch dann fiel mir ein, dass ich mich schon mal an einem Gedicht über meinen inneren Zoo versucht hatte, damit damals aber nicht weitergekommen bin. Und da war sie, die Idee: eine schlaflose Nacht in Tiergeräuschen.

Schlaflose Nacht

Um elf brummt dich
der Schlaf ins Bett,
noch summt dein Geist,
dein Körper zirpt.

Um Mitternacht
kräht dich ein Einfall wach.
Um ihn zu halten lässt du ihn
für eine Stunde in dir quaken.

Gegen halb zwei
krächzt dein Hals dich aus dem Schlaf.
Du nimmst einen Schluck Wasser,
da gackert es in deinem Bauch.

Viertel vor drei
grunzt es aus deinem Rücken,
dass dir die Knie schnattern.
Es quiekt in deinem Ohr.

Doch kurz darauf gurren
süße Träume durch dein Aug.
Deine Muskeln muhen entspannt.
Endlich kannst du schlafen.

Punkt vier beginnt – miau! –
die Sorge dumpf zu blöken,
und dein Herz wiehert auf.
An Schlaf ist nicht zu denken.

Um sechs bellt dein Wecker.
Deine Nerven keckern.
Du aber packst deinen Zoo
zusammen und stehst auf.

#frapalywo 2/17: geräusche – tag 3: an der supermarktkasse

Kontrastprogramm: Der dritte Impuls führt uns zu den Geräuschen an der supermarktkasse. Geräusche? Für mich gibt’s da nur ein Geräusch! (aber ich bin ja auch ein Hörmuffel…)

Supermarktkasse

Sie sitzt an der Kasse draußen im Supermarkt
sechs Tage die Woche – acht Stunden am Tag
– scannt Ware um Ware – piep – Fleisch
von der Frischetheke – piep – die Brötchen
– piep – zum Aufbacken – Tomaten – piep –
heute im Sonderangebot – Erbsen aus der
Tiefkühltruhe – piep – zahlen Sie bar oder
mit Karte? – sammeln Sie Paybackpunkte? –
den Salat-Mix – piep – frisch aus der Tüte –
drei Tafeln Schokolade – piep – piep – piep
– eine Tüte Chips – piep – eine Flasche Wasser
– piep – ein Sixpack Bier – piep – zahlen Sie
bar oder mit Karte? – sammeln Sie Payback-
punkte? – einmal das Tagesangebot – heute
ganz frisch – piep – ach guck mal: ist das nicht
zum Piepen?

Abends rasch nach Hause – piep – schnell noch
zum Bäcker – piep – zum Metzger – piep – auf
den Markt – piep – zuhause eben noch Wäsche
waschen – piep – das Essen kochen – piep –
die Kleinen ins Bett bringen – piep – eine
Gute-Nacht-Geschichte erzählen – piep –
Schatz – piep – wie war dein Tag? – piep –
wie üblich – piep – immer Ärger im Büro
– piep – aber du schaust auch müde aus –
piep – richtig müde – piep – ja das Leben
ist nicht zum Piepen

Nachts die Ambulanz – piep – piep – auf
die Intensivstation – piep –piep – piep
bis zum Ende – piep – piep – piep –
bleibt er bei ihr – piep – und die Kinder
piep – piep – piep –

piep

#frapalywo 2/17: geräusche – tag 2: im regen

Der zweite Impuls der #frapalywo lautet: im regen. Auch hier sind mir zwei Varianten eingefallen, eine romantische (vom Geräusch aus) und eine sarkastische (von der Sprache aus):

im regen am see

im geflüster des regens
das gemurmel des sees:
was sie wohl tuscheln mögen?

im regen

lasst mich im regen stehen,
solange ich in meiner traufe
trommeln höre, was er
mir flüstert

#frapalywo 2/17: geräusche – tag 1: unterm baum (2)

Zum ersten Impuls von Sophie Paulchen hatte ich zunächst noch einen ganz anderen ersten Impuls, an dem ich jetzt doch noch ein wenig weiter gefeilt habe. Auch er sei Euch hier nicht vorenthalten (für Psychologen sicher vielsagend…).

unterm baum

ein knacken im geäst: ich
lasse los und höre noch
das knacken in meinem
genick

#frapalywo 2/17: geräusche – tag 1: unterm baum (1)

Es ist mal wieder soweit: Sophie Paulchen startet eine neue „frapalywo“. Das Motto für diese lyrische Woche ist geräusche, und der Impuls für den ersten Tag ist: unterm baum. Eine echte Herausforderung für einen Augen- und Wortmenschen wie mich… – mal schauen (! – eben!), wie weit ich damit komme… Ich verspreche nichts!

Unterm Baum

In dieser Stille dort unterm Baum
kannst du das Gras wachsen, die Flöhe
husten hören. In dieser stillen Stille

hörst du die Wurzeln sich biegen, das Moos
sich schmiegen, die Äste sich wiegen
gelinde

hörst du die Rinde platzen, das Harz
schmatzen, den Borkenkäfer kratzen
geschwinde

hörst du die Vögel picken, die Zweige
knicken, die Blätter nicken
im Winde

hörst du die Schmetterlinge flittern, die Blüten
zittern, das Eichhörnchen wittern
die Hinde

hörst du die Spinnen weben, die Tautropfen
beben, eben: den Baum leben
unter seiner Rinde

In dieser stillen Stille hörst du, hörst
du nur zu, den Baum stehen, die Zeit
vergehen, die Welt sich drehen

Schreibwerkstatt: Lyrik – „Ode auf was auch immer“

Nach einer Einstimmung mit Schillers Ode „An die Freude“ und Pablo Nerudas Oden auf eine Katze und auf einen Stuhl (bei denen ich abgelenkt war, weil gerade ein schöner Band mit Gedichten von Rose Ausländer meine ganze Aufmerksamkeit gefesselt hatte) sollten wir nun eine Ode schreiben, den Gegenstand durften wir frei wählen (das war eigentlich der heikelste Punkt, allein auf die Wahl des Gegenstandes hätte ich mehrere Tage verwenden können 🙂 ). Es waren ganz tolle Oden, die da von den Teilnehmerinnen zusammenkamen: eine Ode auf das Problem, auf die Tür, auf die Wanderstiefel, auf die Worte, auf die Schrift… Ich verrat Euch erst mal nicht, worauf ich meine Ode gedichtet habe – lest selbst:

Alles sagst du – oder nichts:
Pause oder Seelenbrause,
ein Innehalt, ein Sprungbrett oft,
ein Zögern nur, ganz unverhofft.
Des Schweigens Zeichen, des Denkens Weichen
setzt du, stellst du in aller Schlichtheit
mit deiner Nichtheit.
Du findest Platz in jeder Ecke,
als Bruch, als Band, als Zeilenhecke.
Du bist die Krone, bist die Summe,
bist der Leise, bist der Stumme:
Punkt, Komma, Ruf- und Fragezeichen
vermögen nicht das Wasser dir zu reichen.
Und dafür, dafür lieb ich dich –
Gedankenstrich.

Ein herzliches Dankeschön an Jutta und die nette Frauenrunde für diesen inspierenden und entspannten Workshop! Der ein oder andere Gedanke wird mit Sicherheit noch nachwirken…

Schreibwerkstatt: Lyrik – „Ein peinliches Gedicht“

Wir hatten auch über Peinlichkeit diskutiert, woraus die Aufgabe entstand, ein „peinliches Gedicht“ zu schreiben (oder ein Gedicht über Peinlichkeit oder über peinliche Gedichte). Mir war relativ schnell klar, dass das mit dem Schreiben eines peinlichen Gedichts nichts wird, da zur Peinlichkeit gerade die Unfreiwilligkeit dazugehört. Und so habe ich mich an einem Gedicht über das peinliche Gedicht versucht. Die erste Fingerübung:

Was ist
ein peinliches Gedicht?

Du sprichst
von deiner Pein
allein –
allein
die Pein
– ist sie auch dein –
ist kein Gedicht.

Nicht?
Schade!

Aber das war nur ein Spaß am Rande. Dann habe ich noch mal richtig nachgedacht, was für mich die Peinlichkeit von peinlichen Gedichten ausmacht – und daraus ist dann (heute gegen Morgen) dieser Text entstanden:

Seelenstriptease ohne Filter,
dichterische Nabelschau.
Rechtschreibfehler, schiefe Bilder,
Rhythmus lau und Reime mau.
Larmoyanz und Arroganz,
Penetranz und Ignoranz.
Nimmt kein Ende, bleibt banal,
infantil und a-sozial.
Nimmt sich wichtig, ist ein Wicht –
schau: Das ist ein peinliches Gedicht.

Schreibwerkstatt: Lyrik – „Frühlingsgedicht“ und ein anderes Problem

Bei meinem zweiten Text geht es um das Problem des letzten Wortes. Vielleicht mögt Ihr mitdiskutieren?

Version 1

Erst im Herbst
weiß ich, was
Frühling ist.

 

Version 2

Erst im Herbst
weiß ich, was
Frühling war.

 

Version 3 [das war der Lösungsvorschlag der Gruppe]

Erst im Herbst
weiß ich, was
Frühling ist
oder war.

Schreibwerkstatt: Lyrik – „Frühlingsgedicht“ / Problem: Zeilenbruch

Ihr Lieben, ich habe Blut geleckt und bin heute und morgen bei der „Schreibwerkstatt: Lyrik“ der vhs Mainz, geleitet von Jutta Schubert. Im theoretischen Part haben wir heute Abend ein wenig über den Zeilenbruch sinniert, was in mir, als es um die erste Aufgabe ging (nämlich ein „Frühlingsgedicht“ zu schreiben), sogleich ‚gearbeitet‘ hat. Und so ist ein Gedichtchen entstanden, für das mir nun mehrere Möglichkeiten des Zeilenbruchs im Kopf herumspuken – und ich seh das Gedicht vor lauter Umbrüchen nicht mehr. Welche Version findet Ihr am überzeugensten und warum?

Version 1

Und wieder
ist es Frühling.
Draußen.
Drinnen
ist’s Spätwinter
noch.

 

Version 2

Und wieder
ist es Frühling,
draußen – drinnen
ist’s Spätwinter
noch.

 

Version 3

Und wieder
ist es Frühling.
Draußen. Drinnen
ist’s Spätwinter
noch.

 

Version 4

Und wieder
ist es Frühling.
Draußen.

Drinnen
ist’s Spätwinter
noch.