Hölderlin-Mantra – Variation 2

Montiert aus den Hölderlin-Versen meines Hölderlin-Mantras.

Und Gefahr bleibet.
Wo aber wächst,
Was ihr Gewaltigen mir gönnt?
Das ist: die Hoffnung!

Lieber! Was aber wäre reifem Dichter
Das Rettende? –
Nur einen Herbst
(Ohne einen Sommer auch)
Leben zu Gesange
Stiften!

Hölderlin-Mantra – Variation 1

Gerdas wunderbare Legebilder haben mich zu gleichsam lyrischen „Legebildern“ inspiriert. Das Wort-Material stammt aus meinem Hölderlin-Mantra.

Das Legen der Hölderlin-Wörter zu Lyrifant-Worten war viel schöner, als mit dem Automatengedichtautomaten die Hölderlinverse zu ‚wolfen‘ – außerdem ist „Hölderlin wolfen“ auch Hölderlin gegenüber keine nette Geste, und wirklich Sinnvolles kommt dabei auch nicht heraus. Also schrieb ich die Wörter auf kleine Klebezettelchen und begann sie neu zu arrangieren. Dieses Neu-Anordnen aller Hölderlin-Wörter zu neuen Texten hatte etwas ungeheuer Meditatives, was ich heute sehr genossen habe: So war ich ganz bei Hölderlin und ganz bei mir.

Einen Sommer wächst Hoffnung auch
Und einen Herbst.
Was aber mir bleibet,
Lieber! ist Gefahr.
Was wäre das Leben ohne die Dichter?
Ihr Gewaltigen,
Nur reifem Gesange
Gönnt zu stiften
Das Rettende –
Aber wo?

Weihnachts-Elfchen

Schnee
knirscht leis
im Herzen mein
summt das alte Lied
weihnachtsfroh

Ein friedvolles Weihnachtsfest, ein paar stille und erholsame Tage und ein kurz- und langglückreiches Neues Jahr wünsche ich Euch allen – und ich danke Euch für die Beständigkeit, mit der Ihr meinen Blog besucht. Eure Anteilnahme an meinen Texten ist immer wieder eine große Freude für mich und eine stete Quelle der Inspiration!

Summer’s Rain Song

Epilog zu Summer in the city

nun lässt uns dieser Sommer
doch noch im Regen stehen!
was ist das nur für ein Schlingel
mit seinen Gewittern im Anzug:
gießt Tropfen auf den heißen Stein,
jagt uns Schauer um Schauer
über den Rücken, macht uns nass
bis auf die Haut und sich einfach
aus dem Staub – doch sicher
werden wir ihm das wohl rasch verzeihn,
denn auf jeden Regenguss folgt bald
schon wieder Sonnenschein

Summer in the city

ihre Häuserwände erröten tief, wenn der Sommer
so ganz lässig durch ihre Straßenzüge schlendert:
er ist so cool,
wenn er so um ihre Häuser zieht, das
macht sie ganz heiß, wenn sie sein glühender Blick
durch seine schwarze Sonnenbrille streift,
es macht sie heiß, so heiß,
wenn er durch ihre Mauern dringt, in sie eindringt,
so lässig, so cool,
bis alles seiner Hitze sich ganz ergibt und
die Stadt nur noch da liegt und
nichts mehr tut

#frapalywo 2/17: geräusche – tag 7: in der nacht

Der siebte und letzte Impulsin der nacht – gestaltete sich für mich schwerer, als ich gedacht hatte. Nach einem ersten

Hell
lacht
die Nacht.

mit dem ich aber nicht richtig weiterkam, stand da plötzlich die Idee, einen zum Meer-Elfchen komplementären Text zu basteln.

nacht

leise
schneit nacht
die tagesgeräusche ein
doch jedes plötzliche geräusch
laut

 

Liebe Sophie, liebe frapalywo-ist*innen, danke für diese wunderbare Woche voller spannender Hör-Impulse, aber auch voller toller Ideen, wie sich die vielfältigen Hör-Eindrücke in Worten ausdrücken lassen. Das war für mich eine Erfahrung, die ich so schnell nicht vergessen werde.

#frapalywo 2/17: geräusche – tag 6: am lagerfeuer

Der sechste Impulsam lagerfeuer – hat mich zu diesem Textchen inspiriert:

Lagerfeuer

Die Flammen lecken sich züngelnd die Lippen.
Es gurgelt, es schmurgelt. Knisternde Hitze.
Im schmatzenden Feuer brutzelt mein Herz.
Die Liebe höre ich singen ihr sengendes Lied.
Ich glühe, sie lodert. Das Lager, es brennt.

#frapalywo 2/17: geräusche – tag 5: am meer

Der fünfte Impuls lautet: am meer. Unter dem Aspekt geräusche fasziniert mich vor allem der Gegensatz zwischen der steten Unruhe des Meeres, das immer in geräuschvoller Bewegung ist, und der Ruhe, die wir damit assoziieren, die Meeresstille, die eher ein Meeresradau ist, und doch eine so beruhigende Wirkung hat: ein himmlischer Höllenlärm, sozusagen. Hier mein „vorläufiges amtliches Endergebnis“ zu dem Thema (ganz zufrieden bin ich mit meinem Elfchen noch nicht, aber ich muss jetzt arbeiten 😦 ):

am meer

laut
die stille
dort am meer
mein herz aber wird
leise

#frapalywo 2/17: geräusche – tag 4: im alleinsein

Der vierte Impuls hat es in sich: Geräusche, die wir im alleinsein machen… Will ich das überhaupt preisgeben? – Doch dann fiel mir ein, dass ich mich schon mal an einem Gedicht über meinen inneren Zoo versucht hatte, damit damals aber nicht weitergekommen bin. Und da war sie, die Idee: eine schlaflose Nacht in Tiergeräuschen.

Schlaflose Nacht

Um elf brummt dich
der Schlaf ins Bett,
noch summt dein Geist,
dein Körper zirpt.

Um Mitternacht
kräht dich ein Einfall wach.
Um ihn zu halten lässt du ihn
für eine Stunde in dir quaken.

Gegen halb zwei
krächzt dein Hals dich aus dem Schlaf.
Du nimmst einen Schluck Wasser,
da gackert es in deinem Bauch.

Viertel vor drei
grunzt es aus deinem Rücken,
dass dir die Knie schnattern.
Es quiekt in deinem Ohr.

Doch kurz darauf gurren
süße Träume durch dein Aug.
Deine Muskeln muhen entspannt.
Endlich kannst du schlafen.

Punkt vier beginnt – miau! –
die Sorge dumpf zu blöken,
und dein Herz wiehert auf.
An Schlaf ist nicht zu denken.

Um sechs bellt dein Wecker.
Deine Nerven keckern.
Du aber packst deinen Zoo
zusammen und stehst auf.

#frapalywo 2/17: geräusche – tag 3: an der supermarktkasse

Kontrastprogramm: Der dritte Impuls führt uns zu den Geräuschen an der supermarktkasse. Geräusche? Für mich gibt’s da nur ein Geräusch! (aber ich bin ja auch ein Hörmuffel…)

Supermarktkasse

Sie sitzt an der Kasse draußen im Supermarkt
sechs Tage die Woche – acht Stunden am Tag
– scannt Ware um Ware – piep – Fleisch
von der Frischetheke – piep – die Brötchen
– piep – zum Aufbacken – Tomaten – piep –
heute im Sonderangebot – Erbsen aus der
Tiefkühltruhe – piep – zahlen Sie bar oder
mit Karte? – sammeln Sie Paybackpunkte? –
den Salat-Mix – piep – frisch aus der Tüte –
drei Tafeln Schokolade – piep – piep – piep
– eine Tüte Chips – piep – eine Flasche Wasser
– piep – ein Sixpack Bier – piep – zahlen Sie
bar oder mit Karte? – sammeln Sie Payback-
punkte? – einmal das Tagesangebot – heute
ganz frisch – piep – ach guck mal: ist das nicht
zum Piepen?

Abends rasch nach Hause – piep – schnell noch
zum Bäcker – piep – zum Metzger – piep – auf
den Markt – piep – zuhause eben noch Wäsche
waschen – piep – das Essen kochen – piep –
die Kleinen ins Bett bringen – piep – eine
Gute-Nacht-Geschichte erzählen – piep –
Schatz – piep – wie war dein Tag? – piep –
wie üblich – piep – immer Ärger im Büro
– piep – aber du schaust auch müde aus –
piep – richtig müde – piep – ja das Leben
ist nicht zum Piepen

Nachts die Ambulanz – piep – piep – auf
die Intensivstation – piep –piep – piep
bis zum Ende – piep – piep – piep –
bleibt er bei ihr – piep – und die Kinder
piep – piep – piep –

piep