Altweibersommer

die Sonne brennt nicht mehr so heiß,
und ihre Schatten werden länger.
die Winde frischen auf zu ersten Stürmen,
und auf den Morgen legt sich früher Nebel.
die Tage werden merklich kürzer,
und in den Nächten kühlt es deutlich ab.
die ersten Vögel ziehn gen Süden –
doch vor allem: auch die Engel fliegen tiefer.

Faltungen, lyrisch

inspiriert von Jürgen Küsters Faltungen-Projekt auf Buchalovs Blog

ich schreib mir eine   Fal
te   ins Gedicht

und falz mir keine   einfäl
lt, schreib ich mir glatt die Sorgfalt
aus dem Gesicht und falte sie auf
eine Spalte Papier

#ich zeige Faltung!

und schreib mir eine   Fal
te   ins Gedicht

zwiefältig, vielfaltig
fall mein Vers auf
kalten Asphalt

Mai

so lass ich meine Wörter
tanzen   in den Mai   tanzen
lass ich die Wörter   im Mai
tanzen meine Wörter und
ich   den Mai über   sehe ich
die Wörter tanzen und mich –
dem Sommer entgegen

Dialektik der Ausgangssperre

normalerweise
will ich nicht und
muss ich nicht
vor’s Haus
nach 21 Uhr

kaum aber
darf ich nicht und
kann ich nicht
vor’s Haus
nach 21 Uhr

dann
will ich unbedingt und
muss ich unbedingt
vor’s Haus
nach 21 Uhr

und die Vernunft
darf dann und
kann dann ebenfalls
vor’s Haus –
rund um die Uhr

Grüngürtelglück

was bleibt uns in diesen Tagen, als
die immer gleichen Wege zu gehen?
doch sind es ihrer so viele – zum Glück!

und gehst du dann mal dieses Stück,
mal jenes, in immer neuem Wechsel –
so öffnet sich für dich bei jedem Gang

auf immer gleichen Wegen
ein neuer Weg