Wintersommer

Schneehäubchen blühen
weiß auf Geranien rot:
Wintersommerglück.

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grau, nur grau?

Kurz bevor der November zu Ende geht, bedarf es doch noch einer Hymne auf Grau, finde ich (auch wenn der Text schon früher und in einem anderen Zusammenhang entstanden ist – und die, die ihn schon kennen, bitte ich diese Doppelung zu verzeihen).

über mir der Himmel grau, nur grau, monochrom
monophon das Lied der Wolken grau auf grau
ein jeder Tag so grau, so grau und monoton

doch schau nur, schau: ein stilles Grau
dort hinter dem lauten, ein Lichtgrau
unter Schattengrau, ein blaugrünes
im braungelben: Grau über Grau –
Grau polychrom, ja schau:
Polyphonie in Grau

Versuch: Lyrische Landschaft

Auf der documenta 14 ist mir – neben einer Vorliebe für Topographien – der Trend aufgefallen, Bilder aus mehreren Einzelbildern wie ein Mosaik zusammenzusetzen. Das wollte ich jetzt mal ins Lyrische übersetzen: kleine Gedichte, die zusammen ein Gedicht ergeben. Und hier ist mein erster Versuch dazu.

das leben zeichnet
geheime zeichen
unter meine haut
mir neue wege in
bewegung singen
werd ich für mich
alte landschaften
in auge und ohr
schreiben worte

Sommers in Umbrien

Sommerhitze bettet sich aufs weiche Hügelland,
senkt ihren schweren Schlaf auf traubensatte Reben
im silbergrünen Schimmer der Olivenbäume.
Die gelben Feigen träumen still vom Reifen.
Sogar die Wespen hängen träge vom Gebälk,
und auf den alten Mauern ruhen die Eidechsen,
sonst flink, in ihrem mittäglichen Sonnenbad.
Müd fällt mein Blick auf die Zypresse: wie sie
– einsam – unbewegt da steht und wacht.

und staune!

schau
ins Blau
von Himmel und Meer
schau – und staune:
wie schön ist die Welt!

lausch
dem Plausch
von Wellen und Wind
schau, lausch – und staune:
wie leicht ist die Welt!

tauch
ein in den Bauch
von Leben und Glück
tauch ein – und saug auf
das Leben, das Glück:
schau, lausch – und staune!