Poesie in PRosa

rosarot, wohin ich schau, nicht mal der Himmel ist mehr blau. rosarot, wohin ich geh, von violett bis altrosé. auf einen Wink ist alles pink. die rosa Brille bleibt zuhaus, es braucht noch nicht mal den Rosé. juhé! im Frühling schaut die Welt auch ohne Filter rosa aus

Foto: (c) Lyrifant

Magnolie

uralt steht sie: fest verwurzelt,
in immerwiederjunger Blüte

in vollem Licht, in lichter Fülle:
bald gelichtet, noch erfüllt

die bleiche Knospe, leicht errötet:
Tod und Leben – auf einem Blatt

wie erblüht, so verblüht: so schön
ist sie, ein Bild für das Geheimnis
wahrer Schönheit

Foto: (c) Lyrifant

schneien möcht ich

Ja, weit vor der Zeit, ich weiß. Aber der „snow“-Impuls von #inktober neulich hat mir in Erinnerung gerufen, dass ich doch mal ein Schnee-Büchlein basteln wollte, und den ersten Versuch sehr Ihr hier auf Lyrifants Editionen.

(Inzwischen gibt es noch eine zweite Version dieses Schnee-Büchleins, die nun den Text selbst zum Schneien bringt – zumindest in Eurer Phantasie).

(1)

schneien
möcht ich
in stillen Flocken
die schwarze Erde
in tiefe Weiße
schreiben

 

(2)

schneien
möcht ich
in dicken Flocken
schreiben
in den eisblauen See
in den schneeweißen Schnee

 

(3)

schneien
lasst mich
in die guten Stuben
rein schreiben
die weiße Wand
auf weißem Papier

 

(4)

zuschneien
lasst mich
in Sternenflocken
eure Fenster und Türen
zuschreiben
mit der Weisheit
ewiger Weißheit

 

(5)

einschneien
möcht ich
Weiß auf Weiß
unsere alte Welt
einschreiben
in mein weißestes Weiß
einsinken
möge sie in meine
ewige weiße Ruhe

an Tagen wie diesen (2)

an Tagen wie diesen schwärmen Wörter aus
wie kleine Fische glitzern und blinken im Licht
der Sonne das unter die Wasseroberfläche fällt
huschen so flugs an mir vorbei dass ich sie nicht
entziffern kann heften sich an die Flügel der Möwen
und steigen mit ihnen höher und höher so hoch dass
ich in ihnen nicht mehr zu lesen vermag –
und so schreib ich silbrige Gedichte
aus Fischen und Möwen für Dich in eine
verlassene Muschel am Strand

an Tagen wie diesen (1)

an Tagen wie diesen entgleiten mir die Wörter,
wollen sich nicht fügen lassen zum Gedicht:
tollen umher wie diese jungen Hunde jagen
den Wellen hinterher schlüpfen tief in diese
kleinen Sandlöcher wo sie sich überspülen
lassen wieder und immer wieder lassen sie
sich vom Meer weit hinaustragen reiten
ganz oben auf den Wellen bis sie sich
brechen in die Sonne lachen blau und
weiß und mit einem kühnen Sprung
übermütig in die
Wolken fallen
lassen

ins Grüne

ins Grüne hüpfen
ins Grüne schlüpfen
meine Augen schlürfen
tausend und ein Grün
ergrünt zu einem Grün
dem ein und allem Grün
dem Maienauenwaldgrün
nur Grün und Grün und Grün
so weit mir das Auge grünt
ins Grüne so weit

 

Kleiner Nachtrag:
Foto-Impressionen von meinem Ausflug ins Grüne
(Naturschutzgebiet Kühkopf-Knoblochsaue)