bald, schon bald

bald
flocke ich aus,
mein spätes Sommerwort
zu unterwintern

bald schon
stiebe ich auf,
in alten Hinterwinterbildern
schneezustöbern, leis

bald, schon bald
riesel ich nieder, wieder
und wieder, meiner Nachherbstverse
Harsch und Firn zu überpulvern:
kristallin

sozusagen eine Fortsetzung zu „schneien möcht ich“

Schneetage

Tage, an denen du
dein Leben liebst, wie es ist
(obwohl es nicht geschneit hat)

Tage, an denen du
dich magst, wie du bist
(obwohl du nicht schneien kannst)

solche Tage nennt man wohl
Schneetage

Teddybär mit Schleife

Heute im Sonderangebot:
Teddybär mit Schleife
(mein Beitrag zu Nikolaus)

Zu tausenden liegt er nun aus –
es ist Nikolaus: der Bär muss raus.
Einer sieht wie der andere aus,
doch wenn er einzieht in dein Haus,
dann wird er – unversehens und kurzum
und unter bärigem Gebrumm –
zu einem Individuum
mit eigener Bärsönlichkeit
in seiner Menschenähnlichkeit.
Sogleich gehört er ganz zu dir:
Er wird dein Lieblingskuscheltier.

und nein, ich habe ihn nicht gekauft, sondern habe ihn ganz schmählich seinem Massen-Dasein überlassen – wie schofel von mir!

Vrouwenlob

ein bescheidenes geblümtes Lob für einen Meister-Blümer zum 701. Todestag

Vergessdeinicht:
Rosen-röselechter Wort-
Orchideenzüchter, du!
Ulme, hochgewachsen, unter
Walnussbäumen, jung zwischen alten
Eichen.
Nelken, nelkenrot, und
Lilien, lilienweiß – dazu eine kleine
Olive – leg ich dir aufs Grab, ich kleines
Buschwindröschen

 

Vor einem Jahr hat mich Meister Frauenlob alias Heinrich von Meißen sehr in Atem gehalten. Damals war mein Lob adäquater als heute – sorry, Meister, aber ich bin einfach nur müde (aber nicht frauenlob-müde, keinesfalls!).