Was schlimmer ist

Ich kann nicht sagen,
was schlimmer ist:

wenn Du eines Tages
nicht mehr da sein wirst und
ich alleine zurückbleiben muss

oder wenn ich eines Tages
nicht mehr da sein werde und
Du alleine zurückbleiben musst

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#frapalymo 15-nov-16: fassbar

Mit dem fünfzehnten Impuls„fassbar“ – hatte ich jetzt meine liebe Not, schließlich hatte ich mit meinem letzten Gedicht die Chance auf Korrespondenzen im Sinne des Doppelimpulses verwirkt. Doch dann hat mir der Mond geholfen (und die Erfahrung mit dem ‚Bibermond‘ ist der Liebe auch gar nicht so unähnlich):

 

an den mond

fassbar nah
bist du heute

und doch
unfassbar fern

 

Situationen

Er sagt,
es gebe Situationen,
in denen er sie
nicht liebt.
Und dass er ihr
das sagen müsse.

Müsse er nicht,
sagt sie, denn
sie weiß genau,
welche Situationen
er meint.

Sie denkt,
warum sagt er ihr
nicht, dass es Situationen
gibt, in denen er sie
liebt?

Das müsste er ihr doch
sagen, denn
in diesem Fall
wüsste sie nicht,
welche Situationen
er meinen könnte.

In diesen dreißig Jahren

Ja, ich weiß: Liebesleid
ist das schönste Kleid
für ein Liebesgedicht.

Ja, ich weiß: Liebesschmerz
ist der einzige Scherz
in einem Liebesgedicht.

Wie kann
ich es dann
wagen, wie kann
ich es bringen,
in diesen dreißig Jahren
an Deiner Seite
von Liebesfreud‘ nur,
von Liebesglück nur
zu singen?

Ein Gedicht zu unserem dreißigjährigen Jubiläum und auch ein Dankeschön an meinen Liebsten für dreißig wunderbare Jahre!

Auch wenn Du weg bist

Auch wenn Du weg bist,
spüre ich Dein Auge
auf meiner Haut,
lese ich Dein Lächeln
aus meiner Hand.

Auch wenn Du weg bist,
höre ich Deinen Mund
an meinem Haar,
trinke ich Deine Stimme
von meinem Kopf
bis zu meinem Fuß.

Auch wenn Du weg bist,
schmecke ich Dein Herz
neben meinem Herzen,
atme ich Deinen Atem
in meinem Atem.

Auch wenn Du weg bist,
bist Du da.

Wenn ich ein Vöglein wär‘

Wenn ich ein Vöglein wär‘
Und auch zwei Flügel hätt‘,
Flög‘ ich zu Dir.

Wenn ich ein Fischlein wär‘
Und auch zwei Flossen hätt‘,
Schwömm‘ ich zu Dir.

Wenn ich ein Rehlein wär‘
Und auch vier Beinchen hätt‘,
Spräng‘ ich zu Dir.

Da ich ein Menschlein bin
Und nur zwei Beine hab‘,
Geh‘ ich zu Dir.
Das kann nun langsam sein,
Das kann nun mühsam sein,
Doch komm‘ ich zu Dir.

Selbst wenn ich ein Schnecklein wär‘
Und keine Beine hätt‘,
Blieb‘ ich nicht hier
Und kröch‘ zu Dir.

Du

Du gibst meinem Ach
ein festes Dach
und findest für mein Och
ein passendes Loch.

Du nähst für mein altes Leid
ein schönes buntes neues Kleid
und zauberst noch aus jeder Lück‘
rasch ein kleines Stückchen Glück.

Du machst aus einem Auf-dem-Boden-Liegen
ein flottes In-den-Himmel-Fliegen
und holst aus einem dummen Blablabla
heraus ein fröhlich‘ Lalala.

Du führst ein laues Lau
mir ganz ins lichtblaue Blau
und formst für mich aus Prosa
ein rosarotes Rosa.

Du windest aus der Pflicht
sogar noch etwas Licht
und verwandelst meinen tiefen dunklen Schmerz
in einen leichten hellen Scherz.

Du rundest ab mein Ich
mit Deinem von mir geliebten Dich.