Fremde Nähe

in Deiner Fremde
warst Du mir nahe

in Deiner Nähe
bist Du mir fremd

nahe Fremde
sind wir geworden:

uns fremd in unserer Nähe
uns nah in unserer Fremde

Kurzglückfragmente (17)

im Goldregen sammeln meine Augen die Sterntaler
vom Himmel, und ich hab Knallfrösche im Bauch: was ist
schon ein Feuerwerk, wenn Du bei mir bist?

Versteckspiel

Ach, Liebster! Wo
hat sich unsere Liebe
nur wieder versteckt?

Und während ich sie suche,
draußen,
wo sie, wie ich denke,
Fangen mit mir spielt,
hält sie sich verborgen,
drinnen,
in einer Deiner Armbeugen
oder unter Deiner Zunge oder
in den kleinen Fältchen
an Deinen Augen –

hast Du sie schon gefunden?

Sofreh-ye haft sin*

Salz in Deines Lebens Suppe
Sand in die Getriebe, die es nötig haben
Seelenruhe dort, wo Wut nicht hilft
Senkblei, um Dich aus- und aufzurichten
Silbermöwen, die auf neuen Wegen Dich begleiten
Sonne, die warm Dir auf den Rücken scheint
Süßholz gegen alle Bitternis der Welt

* Zu Nouruz, dem persischen Neujahrsfest (in diesem Jahr beginnt das persische Neue Jahr heute um 22:58 Uhr),  stellt man sieben Dinge, die mit dem Buchstaben س (sin) beginnen, auf ein Tuch (das Sofreh), das man auf einem Tisch oder auf dem Boden ausbreitet. Heute hab ich nur eine Lyrifant-Variante für Dich, mein Liebster – für alles andere war es jetzt leider zu spät 😦 Dafür umso mehr von Herzen: سال نو مبارک – Alles Gute zum Neuen Jahr!

mit anderen Worten

mit anderen Worten
kann ich es nicht sagen,
das eine Wort

anders gesagt oder
mit anderen Worten: es gibt
kein anderes Wort für

Dich

– auch wenn ich für Dich
tausendundeinen Namen habe –

mit anderen Worten
kann ich es nicht sagen,
dieses eine Wort:

ich liebe Dich

Wind und Wetter-Liebe

in Schnee und Eis
hab ich gesessen einst
bei Nacht und Nebel
hast Du mich gefunden
mit Blitz und Donner
hast Du mein Herz gerührt

Sturm und Hagel
können mir nichts mehr anhaben
Wind und Wetter
trotzen wir
in Licht und Sonne
bin ich bei Dir

ein Nachklang auf Sophie Paulchens „wind und wetter“-frapalywo, die ich leider mal wieder komplett verschwitzt habe, und ein Vorklang auf den Tag morgen (für Dich, mein Liebster)

der Liebenden Sinne

der Liebenden Nase
riecht Wasser schon dort,
wo noch Wüste ist

der Liebenden Zunge
schmeckt Honig noch dort,
wo schon Galle fließt

der Liebenden Ohr
hört Hymnen auch dort,
wo Stille herrscht

der Liebenden Auge
sieht den Morgen schon dort,
wo noch Nacht ist

der Liebenden Haut
spürt die Sonne noch dort,
wo schon Schnee fällt

der Liebenden Sinne
nehmen, immer und überall,
nichts als die Liebe wahr