Verse, in Lurch und Molch

querversein
salamandere ich,
mooswortig, durch Blautau
und Untergrünholz, wo ich euch
singe meine Wiesenlieder
in Lurch und Molch,
versquer

und noch einmal: inspiriert durch den Band „Kröten“ aus der wundervollen Reihe „Naturkunden“ beim Verlag Matthes & Seitz

Blick.Winkel, im Zeichen der Kröte

Ein.Blick von ganz unten: Lieder
aus dem Schlamm, vorlauthals;
Gossenworte, grottig & krötig,
(Ab)Schaumpoesie

Ein.Blick von den Rändern: Lieder
vom Grenzrain, zwiespältig & zwielichtig;
Unkenzwischenrufe im Lurchgequak,
grenzenlos grenzwertig

Ein.Blick vom Ursprung: Lieder
aus dem Urgestein, uraltklug;
wandernd, bewandert, flötend &
krötend: tötend

Ein.Blick aus der Kriechspur: Lieder
von Erde und See, Amokröte noch im
pockennarbigen Gesicht; ein Kriechen
in fluiden Versen, subversiv & tief –

erdnah, seewärts

inspiriert durch den Band „Kröten“ aus der wundervollen Reihe „Naturkunden“ beim Verlag Matthes & Seitz

Urworte, leguanisch

leguanisch sei
mein Wort

ein Schlitzblick, Zick
um Zack, auf die Echsenschnelle
das Ferne nah im Räubergriff –
schupppanzerunter
Geschicht über
Gedicht

im Einzelgang
will wechseln ich
die Verse wie
die Farbe

uralt sei mein Wort, wild
euch und fremd

inspiriert durch den Band „Eidechsen“ aus der wundervollen Reihe „Naturkunden“ beim Verlag Matthes & Seitz

schreib.übung

Mit der ersten Version der Schreibübung war ich im Nachhinein doch noch nicht so zufrieden. Hier also eine verbesserte Version.

schreib (wenn Du kannst) Tag für Tag
ein Gedicht – so übst du
schreiben

schreib (du kannst es) für jeden Tag
ein Gedicht – so lernst du
unterscheiden

schreib (was du willst) Jahr und Tag
für das eine Gedicht – so wirst du
wachsen und reifen

schreib (du willst es) eines Tages
dein Gedicht – so kannst du
schweigen

schreib. Eine Schreibübung

schreib
Tag für Tag
ein Gedicht –
so lernst du
schreiben

schreib
für jeden Tag
ein Gedicht –
so lernst du
unterscheiden

schreib
Tag um Nacht
Gedicht um Gedicht –
so lernst du
entscheiden

schreib
Tag und Nacht
Gedicht um Gedicht –
so lernst du
bleiben

schreib
ein Gedicht
für alle Tage,
für aller Tage Nacht –
so lernst du
sagen

schreib
eines Nachts
mal kein Gedicht –
so lernst du
schweigen

schreib
eines Tages
das Gedicht –

dein Gedicht

bald, schon bald

bald
flocke ich aus,
mein spätes Sommerwort
zu unterwintern

bald schon
stiebe ich auf,
in alten Hinterwinterbildern
schneezustöbern, leis

bald, schon bald
riesel ich nieder, wieder
und wieder, meiner Nachherbstverse
Harsch und Firn zu überpulvern:
kristallin

sozusagen eine Fortsetzung zu „schneien möcht ich“

Poetosophistik

Gedichte will ich schreiben, bloß,
die maulfaul, aber weilfeil
von allen Bäumen
träumen

halbgar mögen sie sein, meinet-
wegen, halbwahr jedenfalls und
unbedingt!
halb klar, halb bar, dafür
ganz rar: ganz und gar
unhaltbar

auch hab ich sie gern
weltfremd, menschenfeind und gottfern;
nur so sind sie test-, rest- und nestfest
und fallen punkt-, komma-, strichgenau
in niemandes Schoß

UrSprünge

auf einen Sprung
schaut das springende Wort
bei mir vorbei. es bleibt
nicht lang, denn es ist immer
auf dem Sprung

doch kommt es immer wieder
gern zu mir, macht große Sprünge
und springt um mit mir –
es weiß: auch ich habe
einen Sprung

im Ursprung
sind wir eben gleich
ursprünglich