Vom Gras

Das  Gras würde ich wachsen hören,
sagen sie. Dabei wächst dieses Gras
bereits in Berghöhe und Baumdicke
um uns herum – laut wie eine Blas-
kapelle. Da wächst jetzt auch nie mehr Gras
drüber.

Da wächst jetzt kein Gras mehr, das
noch irgend jemand
hören könnte.

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Was hetzt. Ein Ätz-Gedicht

Was hetzt und petzt,
verletzt, was grundgesetzt.

Was hetzt und Messer wetzt,
zerfetzt, was einst hier wertgeschätzt.

Was hetzt und noch dazu dumm schwätzt,
besetzt das wenig gute Letzt: Es ätzt und vergrätzt.

Drum seid entsetzt, jetzt! Widersetzt
euch dem und jedem, was und wer da hetzt.

Der Denunziant

Der größte Lump im ganzen Land,
das ist und bleibt der Denunziant.

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben zugeschrieben

Nun ist er wieder anerkannt:
der größte Lump, der Denunziant.
Hat er doch wieder Macht im Land
– wer hätt’s geahnt? – und so rasant.
Ein ausgedehnter Flächenbrand
erfasst die Welt vom rechten Rand
und schändet Glückes Unterpfand.
Empört euch, Menschen, Hand in Hand,
und leistet machtvoll Widerstand,
bevor Verstand- und Herzstillstand
gewinnen wieder Oberhand.
Lasst uns vertreiben diese Schand:
kein Platz hat hier der Denunziant!

Verwandtschaften

Auch wenn Du es nicht weißt –
Du spürst es:
Elend und Anderland
sind ein und dasselbe Wort.
Und Exil ist Umhergeirr,
im Aus.

Auch wenn Du es nicht weißt –
Du ahnst es doch:
Wer fremd ist,
ist einer von Fort-von
und nicht von Hin-zu
oder gar von Inmitten.

Du hast geglaubt:
Asyl, das sei
ein Unraub-Raum, wo
niemand Dir von Dir was nimmt.

Und jetzt denkst Du, dass
Flucht und Fluch Verwandte sind –
sie sind es nicht im Gegensatz zu uns
(was wir nur vergessen haben),
sind In- und Ausland doch dasselbe.