nicht daheim

da haben sie dich heimgesucht,
haben dir heimgeleuchtet, dir heimgegeigt

da haben sie es dir heimgezahlt,
lassen dich endlich heimgehen und heimholen

doch noch immer – so wundern sie sich –
fühlst du dich bei ihnen
nicht daheim

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wir schaffen das

Der Kabarettist Arnulf Rating hat uns heute in seinem (sonst eher mäßigen) Programm endlich einmal übersetzt, was der Ausspruch „wir schaffen das“ eigentlich – wenn man ihn nämlich vervollständigt –  bedeutet: „wir schaffen das Asylrecht ab“. Dieser kleine Gag am Rande hat mich zu dem folgenden Gedicht inspiriert.

wir schaffen das
wir schaffen das Asylrecht ab
wir schaffen das
wir schaffen das mit den Obergrenzen
wir schaffen das
wir schaffen das Boot zu leeren, das Meer zu füllen
wir schaffen das
wir schaffen das wunderschöne bunte Kriegsspielzeug an
wir schaffen das
wir schaffen das christliche Willkommenskulturgedöns weg
wir schaffen das
wir schaffen das ganz große Geld noch rechtzeitig für uns beiseite
wir schaffen das
wir schaffen das türkische Flüchtlingsentsorgungskommitee herbei
wir schaffen das
wir schaffen das gottverdammte Asylantenpack sofort zurück nach Hause
wir schaffen das
wir schaffen das „Refugees welcome“-Gesocks gleich mit rüber übers Meer
wir schaffen das
wir schaffen dass kein Flüchtling mehr lebendig über unsere Grenzen kommt
wir schaffen das

Der Unbär

Das schöne Wort „Unbär“ in Heinrich Heines „Atta Troll. Ein Sommernachtstraum“ (1841) hat mich zu diesem kleinen Text inspiriert.

„Ich bin doch kein Unbär“,
sagt der Bär, der von sich behauptet,
dass ihm nichts Bäriges fremd sei,
und er fügt hinzu, dass es doch
nur allzu bärig sei, wenn Inbären
Ausbären als Unterbären ansähen,
wodurch er sich als genau das
entlarvt, was mich veranlasst,
ihm jedwede Bärigkeit rundweg
abzusprechen, denn mit solchen
Äußerungen ist er einfach nur das,
was er demonstrativ leugnet zu sein:
ein Unbär.

Ausweisung

Wer sich nicht ausweisen kann,
wird ausgewiesen.

Wer ausgewiesen wird,
bleibt für immer ohne Ausweis.

Wer aber einen Ausweis hat,
darf ausweisen.

Wer ausweist,
ist ausgewiesen ausgewiesen.

Denn:
Eine Ausweisung
ist ein Ausweis
ausgewiesener

Unmenschlichkeit.

 

„Heimat – was zum Kuckuck?!“ ist das Motto des diesjährigen Open Ohr-Festivals. Eine kleine Idee, die mir schon länger zum Thema „Ausweisung“ im Kopf herumspukt, habe ich deshalb heute noch mal aufgegriffen und zu einem vorläufigen Ende gebracht; sie passt ganz gut dazu, denke ich.

Bitte einer Dünnhäutigen

Wer vollmundig
Brandanschläge gegen Asylheime verurteilt,
aber nur halbherzig
das Herz hat, die Brandstifter zu verfolgen –

Wer doppelzüngig
die Willkommenskultur feiert
und dabei engstirnig
die Stirn hat, die Grenzen zu schließen –

Wer pausbäckig und rotwangig
Europas Werte verteidigt
und großmäulig und breitbeinig
ein Integrationspflichtgesetz einfordert,
aber hochnäsig
über die Schutzsuchenden die Nase rümpft
und dickköpfig
nur Obergrenzen im Kopf hat –

der tritt leichtfüßig
des Menschen Recht mit Füßen,

der wirkt eigenhändig
der neuen Rechten in die Hände,

der läuft blauäugig
dem Abgrund ins Auge.

Dünnhäutig, wie ich bin,
habe ich nun
nur noch eine Bitte:

Bleibt feinfühlig,
hellhörig und
weitsichtig.

Nicht eigens dafür geschrieben, aber sicher auch ein Beitrag, der gut in das Projekt „Gegen das Vergessen“ passt. Die anderen Beiträge zu diesem Projekt habe ich verlinkt unter meinem ersten  Beitrag „gegen das vergessen„.

gegen das vergessen

Dieses Gedicht ist ein Beitrag zu der von Sylvia Kling initiierten Aktion „Gegen das Vergessen“.

gegen das vergessen: erinnern –
erinnern an die geschichten der geschichte,
die wir in unserem innern lieber verborgen halten,
inne werden dessen, was wir ausschließen,
inne werden derer, die draußen sind.

gegen das vergessen: gedenken –
gedenken der geschichten der geschichte,
an die wir nicht denken wollen,
denken an das, was ungedacht ist,
denken an die, die unbedacht sind.

gegen das vergessen: erzählen –
die geschichten der geschichte erzählen,
die wir lieber nicht zu unserer geschichte zählen,
sie unseren kindern immer wieder erzählen,
damit sie sie ihren kindern weiter- und weitererzählen.

gegen das vergessen: schreiben –
die geschichten der geschichte aufschreiben,
die noch immer ungeschrieben sind,
denen wir schon immer verschrieben sind,
damit sie sich unserem gedächtnis für immer einschreiben.

gegen das vergessen: handeln –
aus den geschichten der geschichte heute so handeln,
dass das, was gestern geschehen ist,
nicht heute,
nicht morgen,
nie mehr wieder geschieht.

Weitere Beiträge, die an dieser Aktion teilnehmen: