Sehnsucht

Gestern
hab ich geweint
vor Schmerz,
weil ich Dich habe
lange nicht
sehen können.

Heute
hab ich geweint
vor Glück,
weil ich Dich habe
kurz
sehen können.

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Koffer packen

zuerst nur
das Nackenstützkissen
und ein paar Kopfwehtabletten

dann noch
das Heizkissen
und ausreichend Schmerzmittel

schließlich noch
die Gesundheitsschuhe
und diverse Salben

jetzt also auch noch
die Kompressionsstrümpfe
und die Thrombosespritzen

ich bin wohl angekommen
im Club der alten Damen

Heilkunde

Von Aspirin bis Dolormin,
über Voltaren und Ibuprofen,
mit Paracetamol und Cortison –

aber wirklich heilen
kann mich wohl nur
Deine Liebe
zu mir.

 

Schmerztagebuch

Donnerstagmorgen: klopft er noch höflich an
Donnerstagmittag: klopft und klopft und klopft er
Donnerstagabend: hat er mich schon weich geklopft

Freitagmorgen: pocht er stumpf und dumpf
Freitagmittag: pocht er bestimmt auf sein Recht
Freitagabend: pocht und pocht und pocht er

Samstagmorgen: beißt er mich
Samstagmittag: beißt er sich durch mich durch
Samstagsabend: hat er mich kurz und klein gebissen

Sonntagmorgen: sticht und sticht und sticht er
Sonntagmittag: sticht und sticht und sticht er
Sonntagabend: hat er mich zu Boden gestochen

Montagmorgen: zwickt er mich
Montagmittag: zwickt und zwackt er mich
Montagabend: zwickt er mich hier und zwackt er mich dort

Dienstagmorgen: hämmert er mich wach
Dienstagmittag: hämmert er weiter und weiter
Dienstagabend: hämmert und hämmert und hämmert er

Mittwochmorgen: beginnt er zu brennen
Mittwochmittag: brennt er lichterloh
Mittwochabend: brennt er mich nieder

wieder Donnerstagmorgen: wieder klopft er

Schmerz

Ich habe das große
Schmerzlos gezogen.

Jenseits der
Schmerzgrenze im
Schmerzmittelpunkt des großen
Schmerzensreiches sitze ich in
Schmerzhaft.
Schmerzvoll.
Schmerzstill.

Schmerz verzerrt mein
Schmerzempfinden:
Schmerz lindert schmerzlich die
Schmerzunempfindlichkeit.

Schmerz erfüllt das
Schmerzgedächtnis:
Keine Erinnerung mehr an
Schmerzfreiheit.

Wartend sitze ich auf der
Schmerzschwelle.

An einen ungebetenen Gast

Eingeladen
habe ich dich nicht.
Eines Tages warst du
einfach da und bist
geblieben. Hast dich
häuslich eingerichtet
in meinem Haus.

Anfangs hast du nur deine Nägel
in meine Wände geschlagen,
aber Bilder hast du keine daran aufgehängt.

Später bist du dann mit Sack und Pack
hier eingezogen,
hast zunächst ein Zimmer,
dann Küche und Bad
und schließlich das ganze Haus
in Beschlag genommen.
Du schläfst sogar in meinem Bett
und lässt mich draußen liegen.

Inzwischen hast du mein Haus und meinen Garten
mehrfach in Brand gesteckt.
Die Feuerwehr hat mich bereits aufgegeben.

Kein Rat kann mir helfen.
Kein Mittel wirkt gegen dich.
Kein Zauberspruch vertreibt dich.
Ich werde dich nicht los.
Ich leide.

O, Schmerz,
lass uns gemeinsam Bilder suchen,
das Haus aufräumen,
die Brände löschen,
damit ich wieder schlafen kann.

Schmerz

Wenn die Wunde
Nicht mehr schmerzt
schmerzt die Narbe.

Bertolt Brecht

Und wenn die Narbe
Nicht mehr schmerzt
Schmerzt die Erinnerung.

Und wenn die Erinnerung
Nicht mehr schmerzt
Schmerzt die Erinnerung
An die Erinnerung.

Die Zeit heilt alle Wunden.
Der Schmerz bleibt.