Abends im Herbst

Lautes Gekrächze
über den Dächern der Stadt
läutet zur Nachtruhe.

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Der Name der Krähe

Das ist ein schon etwas älterer Text, den ein paar von Euch auch schon kennen. Aber mit Blick auf die Krähenschwärme des Abends über mir finde ich, er passt in den November. Außerdem ist mal wieder Zeit für ein Tiergedicht.

Wer bist du?
fragt ihr mich.

Leise krächze ich euch
meinen Namen ins Ohr.

Krähe
nennt ihr mich seither.

Dabei kann ich gar nicht
krähen.

Gestern in der Straßenbahn

hinter mir hör ich
sich eine Bierflasche öffnen

ein Stier steigt ein und lässt sich
auf den Sitz vor mir fallen, wo
zuvor noch die bunte Hexe saß

ich blicke aus dem Fenster und
sehe ein Krokodil telefonieren,
drei Kühe schwanken über den Gehweg,
Matrosenmützen stehen hoch im Kurs

vom hinteren Teil des Wagens hört man
Lachen, Singen, Johlen, Grölen – und
eine graue Maus tanzt mit einer rosa Katze

kein Pirat weit und breit,
auch Cowboys sieht man heute selten,
schwarzer Engel, steh mir bei

beim Aussteigen fällt mein Blick
auf eine traurige Giraffe – nicht einmal
die Tigerin vermag sie aufzuheitern,
ich fange ein fernes Lächeln auf
und steige aus

ein kleines Einhorn kreuzt meinen Weg

Tier und Mensch

Tier, ich seh dich an
und denke: Ich bin
ein Mensch, und du
bist ein Tier. Du
siehst mich an, doch
was denkst du?

Denkst du: Ich bin
ein Tier, und du
bist ein Mensch?
Wohl kaum. Oder
denkst du: Du bist
ein menschliches
Tier, und ich ein
Tier? Wohl kaum.

Tier, ich weiß, du
denkst, doch was
du denkst, kann
ich nicht denken.
Ich spüre, du siehst
mich an, doch was
du siehst, wenn du
mich siehst, kann
ich nicht sehen.

Tier, du bist ein Tier,
ich bin ein Mensch,
bin ein menschliches
Tier und dir so fern
wie Tier von Tier,
wie Mensch von Mensch,
wie Mensch von Tier.