Straußwirtschaft

Sorry, Leute, ich weiß, das ist wirklich ganz unter meinem Niveau, aber nach einem Tag wie heute kann ich nur noch blödeln…

Ficht ein Strauß
mit einem Strauß
einen Strauß
aus, kommt

oh, Graus!

ein ganzer Strauß
von Sträußen
und Straußen
aus diesem Strauß
heraus.

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Leselust

für Ule (nein, keine Ode auf die Lesebrille!)

Kennst du diese Leseecke,
wo im Sessel tief mit Decke
und im Schein der Leselampe
füllt mit Büchern sich die Wampe
eine alte Leseratte,
die im Sinn nur eines hatte:

Lesefutter, Lesewut,
Bücherstapel, Bücherflut,
überall ein Lesebuch.
Eins nur wurde ihr zum Fluch:
Mit dem Alter kam die Grille
und der Zwang zur Lesebrille.

Am Lesepult, im Lesesaal
wurd‘ das Lesen nun zur Qual.
Lesestoff blieb ungepflegt,
hat die Brille sie verlegt.
Ist ihr Schicksal nicht zum Steinerweichen?
Das denkt auch das Lesezeichen.

Um zu retten ihr die Leselust
half schließlich ihr das Hörbuch, just
solange sie noch hören konnte
und sie sich in Wörtern sonnte.
Die letzten Bücher, die sie las,
– ja, das war ihr letzter Lesespaß –

waren nur noch Leseschatten
für blinde, taube Leseratten.

#frapalywo: Haus und Zimmer – „all in one“

Sophie Paulchens Lyrische Woche frapalywo kam diesmal für mich total ungelegen… doch haben sich die Impulse im Laufe der Woche in meinem Kopf selbstständig gemacht, und deshalb gibt es nun hier eine (nicht ganz erst gemeinte) frapalywo-Reihe in einem Schwung.

tag 1: die gute stube

nur herein
in die gute stube
doch nein! – ein
schlichtes zimmer
genügt nicht mehr,
da muss es schon ein
flottes loft sein

tag 2: hotelzimmer

ein stuhl, ein tisch
ein bad, ein bett,
tv, wc und internet

tag 3: flur

flurauf, flurab –
so geht’s nun seinen gang
und immer schön den korridor entlang

tag 4: gartenlaube

dort hinter der laube
nascht die taube
an der traube
und meine schraube
macht sich aus dem staube
dort hinter der laube

tag 5: dachkammer

wenn mein herz
im keller sitzt,
zieht mein kopf
in die mansarde

tag 6: hochhaus

hochhaus
hoch hinaus
hoch hinauf
hoch in den himmel hinauf
hoch und höher
hoch höher und höher
bis es nicht mehr
geht

tag 7: reihenhaus

hausanhausanhausanhaus
undweitundbreitkeinhaus, das aus
der reihe tanzt

Vogeleien

für Eulenschwinge – inspiriert vom Titel zu Deinem Eisvogel-Bild

Zeig mir bitte den Vogel,
den du abgeschossen hast.

Ach, wie gern möcht auch ich
einen Vogel haben.

***

Oder doch lieber in der reflexiven Variante:

Ich zeig mir den Vogel,
den ich abgeschossen habe

und frage mich: Willst du auch
einen Vogel haben?

#frapalymo 23-nov-16: Grünes Pantun

Oje, beim dreiundzwanzigsten Impuls„schreibt ein grünes pantun – hab ich erst einmal gedacht: „Jetzt steig‘ ich aus. Das krieg ich auf Knopfdruck so nicht hin.“ Aber wirklich eine spannende Form! Das hat mich dann doch gereizt. Dass es hätte reimfrei sein dürfen, hab ich erst heute Morgen realisiert… nunja, da war mein kleines sinnfreies (?) Tiergedicht schon da:

 

Das verliebte Fröschlein

Ein traurig‘ Fröschlein saß im grünen Grase.
Es hatte sich gar frisch verliebt.
Das Ziel der grünen Liebe war ein Hase.
Es staunte, dass es sowas gibt.

Es hatte sich gar frisch verliebt,
Das Fröschlein dort im Wiesengrund.
Es staunte, dass es sowas gibt.
Ihm war im Kopf so kunterbunt.

Das Fröschlein dort im Wiesengrund,
Es konnt‘ es einfach nicht verstehen.
Ihm war im Kopf so kunterbunt.
Wie sollt‘ es ihm denn nun ergehen?

Es konnt‘ es einfach nicht verstehen:
Das Ziel der grünen Liebe war ein Hase.
Wie sollt‘ es ihm denn nun ergehen?
Ein traurig‘ Fröschlein saß im grünen Grase.

#frapalymo 11-nov-16: abstrakte tiere

Für den elften Impuls – wählt einen oder zwei begriffsstudiobegriffe und bindet diese in euren text ein – bräuchte ich viel mehr Zeit (allein schon zum Durchstöbern und Durchforsten des Rinckschen Begriffsstudios), das gibt mein momentanes Arbeitsleben leider nicht her… Mein erster Impuls auf diesen Impuls war:

abstrakte tiere?
frau rinck, ich kapituliere.
vor diesem sammelsurium,
da knie ich nieder, stumm

Doch nächtens haben die „abstrakten tiere“ dann doch noch ein wenig in mir rumort – und dies ist das (vorläufige) (nicht-amtliche) Endergebnis:

abstrakte tiere*

die ung, die frisst mir aus der hand
die heit, die keit stets elegant und sehr charmant
das tum ist etwas träge
die schaft dagegen rege
am klügsten ist das wesen
denn es kann schließlich lesen

doch wenn ich mal ganz ehrlich bin
und eben mal so weiterspinn‘
dann sind mir die vampierchen**
nun doch die lieberen tierchen
das un, das ent, das miss
und auch das zähnereiche dis
sie beißen ganz erfrischlings***
die lers, die lings, das dings

im wörterzoo sind sie alle vertreten
die hohen, die kleinen
die schlichten, die feinen
die abstrakten wie die konkreten

*Nr. 3267
**Nr. 3104
***Nr. 3524
aus Monika Rincks „Begriffsstudio“

#frapalymo 7-nov-16: dreht einen text durch den automatengedichtautomaten

Dem siebten Impuls „dreht einen text durch den automatengedichtautomaten“ – komme ich doch gerne nach… Schöne Ergebnisse hab ich doch gleich mit meinem letzten Text bekommen…

 

Fragwürdige Utopie – gewolft mit allen Einstellungen und ein bisschen nachbearbeitet

abgelaufen wunderbar
glück dir glück, könntest du
fragwürdige dose!

gesundheit vorratsschrank gesundheit
dosen wann?

 

Gewolfte Fragwürdige Utopie noch einmal gewolft und halbiert

gesundheit
glück wunderbar dir
wann dose du glück

 

Ach, das macht Spaß, das könnte ich jetzt noch ein paar Stunden machen! – doch dann hat in mir der geballte Zufall noch einen anderen Reflex ausgelöst: „Lyrik aufräumen“ – so wie Ursus Wehrli mit seinen Büchern übers „Kunst aufräumen“

 

Fragwürdige Utopie – aufgeräumt

Bedarf, Dose, Dose, Dosen,
Gesundheit, Gesundheit, Glück, Glück,
Monaten, Vorratsschrank, Zeit, Zeit

abgelaufen, aufmachen,
frag, hättest, ist, ist, könntest,
verfällt, wäre, wäre

einfach, haltbar, lange, nötig,
schön, wunderbar

ich, dich, dir, du, du,
es, es, mich
paar

das, die,
ein, eine, eine

bei, im, in

nur: wann, wie, wieviel?

oder, und, und:
nicht, nicht
immer,
wenn, wenn, wenn

 

Mein Hafenzoo

Die Hafengiraffen recken ihre Hälse in die Luft:
Wann kommt das nächste Schiff?

Hafenelefanten säumen sorgsam aufgereiht
die Mole, bereit, die Lasten aufzunehmen.

Und zwischen den Containern entdeckte ich
neulich noch ein einsames Hafenkamel.

Nur die Hafenflusspferde sind offenbar immer
unter Wasser…

Eine Hommage an tierisch tierisches Industrie-Design!

 

Serenade der Limonade für die Schokolade

An der Balustrade
hat eine Eskapade
die süße Limonade.
Sie traf die Schokolade
bei einer Maskerade
– oder war es bei der Olympiade? –
auf der Barrikade
– oder war es auf der Promenade? – .

Da gab es Hitzegrade
wie bei der Hitparade.
Nachgerade
bot sie ihr Karbonade
mit Remoulade
als Serenade
– oder war es Marmelade? – .

Die Wirkungsgrade
waren schnurgerade
– oder kerzengrade? – :
Die Schokolade
warf die Bundeslade
nach der Kavalkade
in die Palisade,
gänzlich ungerade.

Nach der Schimpftirade
gab es Minusgrade
und eine Funkblokade.
Ach, wie jammerschade!

Ja, ich weiß, es ist völliger Quatsch! Aber manchmal muss so Blödsinn einfach sein! – Es entlastet…