πάντα ῥεῖ

Panta rei. Alles fließt. Ein Gedanke zum Jahreswechsel

nichts bleibt:
ich weine

ich hoffe:
nichts bleibt

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Das Leben, ein Schatten

Es hat schon eine gewisse Tradition, dass mich Konzerte der fantastischen Capella Moguntina zu Gedichten inspirieren. Diesmal hat mich das Herbstprogramm „Unser Leben ist ein Schatten“ zu einem kleinen Text nach Art der Konkreten Poesie angeregt (mag sein, dass er nicht in allen Medien korrekt angezeigt wird).

vergänglich
vergänglich
vergänglich
vergänglich
vergänglich
vergänglich
vergänglich

vergängLicht

Trilogie: Minnesangs Ich-Reflexionen – getroumet?

Ein inverses Tanka von Walther von der Vogelweide

Owê, war sint verswunden
alliu mîniu jâr?
ist mîn leben getroumet

oder ist ez wâr?
iemer mê ouwê!

Walther von der Vogelweide wäre nicht Walther von der Vogelweide, würde er sich an Regeln halten. Und so ist sein Tanka nicht nach dem traditionellen Muster 5-7-5 7-7 gebaut, sondern invers: 7-5-7 5-5. Die Verse sind dem Eingang seiner sog. ‚Elegie‘ (L. 124,1) entnommen, kombiniert mit dem Refrain,  wobei ich nur ein wenig eingreifen musste, um die erforderliche Silbenzahl zu erhalten. Hier meine Übersetzung, die die Form zu bewahren sucht:

Ach, wohin sind verschwunden
all meine Jahre?
Ist mir mein Leben geträumt

oder ist es wahr?
Ach, für immer ach!

Diese Tanka-Variation eröffnet eine kleine Dreierreihe, für die ich Verse gewählt habe, die mich immer schon angesprungen, umgehauen und eingenommen haben.