wortwelten

halte deine worte offen
und schau
in das warme
licht der nacht

sei ganz wort
und lausch
dem blauen
lied des schweigens

geh immer nur dem wort nach
und atme
die stille
rose der einsamkeit

lass dir die welt auf dem wort zergehen
und schmecke
die frische
süße der bitternis

reich der welt das wort
und spüre
die helle
wärme des todes

Prosa in Rosa (8)

Aus den Tiefen ihrer Schubladen hatte sie nun doch wieder ihr Kirschblüten-Briefpapier hervorgekramt und schrieb nun viele lange Briefe, in denen sie umfassend Antwort gab auf die großen philosophischen Fragen der Menschheit nach dem Woher, Wohin und Warum – und sie erklärte die Welt in jedem Brief ein wenig anders (denn nichts erfreute ihr Herz mehr als Variation). Nun konnte die nächste Einladung kommen, und sie war vorbereitet auf diesen einen obligatorischen Satz:

„Um Antwort wird gebeten.“

und staune!

schau
ins Blau
von Himmel und Meer
schau – und staune:
wie schön ist die Welt!

lausch
dem Plausch
von Wellen und Wind
schau, lausch – und staune:
wie leicht ist die Welt!

tauch
ein in den Bauch
von Leben und Glück
tauch ein – und saug auf
das Leben, das Glück:
schau, lausch – und staune!